Sie sind nicht angemeldet.




Wappensuche       Familienwappen-Stiftung        Genealogiebedarf/Heraldikshop       

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: Ahnen-und-Wappen FORUM. Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

1

Montag, 11. September 2006, 20:40

Die Baderann von Veringenstadt. Mittheilungen aus einem Hexenprozesse vom Jahre 1680. Teil 5

In kurzer Zeit wird sie ruhiger, scheint einzuschlafen und ungefähr nach ½ Viertelstunde in eine Ohnmacht zu sinken. Aufgebunden, zur Besinnung gekommen und aufgefordert die Wahrheit zu bekennen, sagt sie, sie habe schon bekannt, sie sei keine Hexe, aber man glaube ihr nicht. Um 5 Uhr wurde dann der Akt geschlossen und sie ins Gefängniß zurückgeführt.

Viertes Verhör und peinliches Examen am Freitag den 17. Mai 1680. Dieselbe Herren. 8-12 Uhr.

Die vorgeführte Malefikantin wird unter Androchung der Folter zum Geständniß ihrer Schuld ermahnt. Sie beharrt in den frühern Angaben, sie sei keine Hexe, sondern, redlich, sie bittet, man möchte sie doch mit der Tortur verschonen, sie wolle lieber gleich das Leben hergeben, und wolle darauf leben und sterben, daß sie unschuldig sei. Man soll sie doch durch unmenschliche Schmerzen nicht zum Bekenntniß einer Schuld zwingen, von welcher sie sich frei wisse. Da sie dabei beharrte, so wurden um 9 Uhr die Scharfrichter hereingerufen und ihnen befohlen, sie auszuziehen, ihr das geweihte Hemd anzulegen und sie in die Folgerkammer zu führen. Hier auf den Stuhl gesetzt wurden ihr wie gestern die Hände auf den Rücken zusammengebunden, jedoch zur Schonung der versehrten Hände mit einem gröbern Stricke. Während des Bindens schrie sie erbärmlich und rief Gott und alle Heiligen um Beistand an.

Nun sollte sie aufgezogen werden. Zu diesem Zwekce befand sich oben an der Decke, über dem Folterstuhl ein Flaschenzug, über welchen ein Seil ging. Letzteres endete an dem herabhängenden Ende mit einem großen eisernen Haken; währen sein anderes Ende an einer mit einer Kurbel versehenen an der Wand befindlichen Walze befestigt war. Auf den Befehl: zieht! hieng der eine Scharfrichter den Haken zwischen den zusammengebundenen Händen fest und der andere wollte das Seil durch Drehung der Kurbel auf der Walze auf. Dadurch wurden ihr die Arme verkehrt und umgedreht langsam in die Höhe gezogen. Als die Hände der Inquisitin über den Kopf heraufkamen, die Schulterhöhen sich abwärts drehten, die Achselhöhlen verschwanden, die Gelenke knackten un der Leib mit vorgebeugtem Kopfe vom Stuhle gerückt wurde, ertönte ihr Geschrei wahrhaft erschreckend und bevor sie ganz frei hieng, stieß sie hervor: „ablassen, ablasse, ich will eine Hex sein, wie ihr verlangt, ich bin die größte Hex.“ Sogleich wurde die Gorda remittirt. Der Scharfrichter renkt ihre Gliedmaßen ein, setzt sie auf den Stuhl und besprengt sie, da sie Schwachheit zeigt, mit Weihwasser. Kaum hat sie sich etwas erholt, wird sie ermahnt zu bekennen. Tief aufathmend sagt sie, was soll ich sagen, die Schmerzen haben mich zur vorigen Angabe gezwungen, ich bin keine Hex. Aufziehen ! Ganz aufziehen! Lautet des Richters Befehl, der sofort ausgeführt wird. Trotz Schreiens und Versprechens ließ man sie jetzt 3 Vaterunser lang frei hängen. Nun wurde sie heruntergelassen, mit Weihbrunnen und Essig gesalbt und dann inquirirt. Die bisherige Willenskraft der Unglücklichen war durch die ungeheuren Schmerzen momentan abgeschwächt, sie vermochte nicht zu widerstehen, sondern ging auf die meisten Fragen des Richters ein. Sie bekannte, sie sei eine Hex, der Teufel sei köstlich schwarz gekleidet zu ihr gekommen, sie habe ihm versprochen zu dienen und Geld von ihm bekommen, das aber später zu Roßkoth geworden sei, hab ihm auch versprochen mit ihm auszufahren.

Auf weitere Fragen, ob der Teufel sonst nichts verlangt, nichts mit ihr getrieben, wollte sie nicht eingehen, weßhalb sie zum zweitenmale aufgezogen wurde. Nachdem sie 6 Vaterunser lang gehangen und weiteres Bekenntniß versprochen hatte, wurde sie herabgelassen. Nun bekennt sie, der Teufel habe Unzucht verlangt und mit ihr getrieben, woarauf ein so schamloses Inquiriren folgt, um diese Unzucht nach allem Detail zu eruiren, daß die arme, erschöpfte Angeklagte ganz verwirrt wrid und nicht weiß, was sie antworten soll. Der Richter glaubt, sie wolle mit diesem Bekenntniß nicht heraus und so wird sie zum drittenmal elevirt und ½ Viertelstunde in Suspenso gelassen. Herabgelassen und aus einer Ohnmacht erweckt bittet sie um Gottes Willen, man solle sie nicht länger peinigen, sie wisse nichts mehr, man solle ihr das Recht anthung, sie wolle gern sterben. Weil es sehr kühl war, schüttelte sie der Frost und sie verfiel wieder in eine Ohnmacht Nun wurde sie der Bande entledigt, mit Weihwasser und Essig erlabet in das Gefängniß zurückgebracht, womit dieses peinliche Examen endete.

Fünftes Verhör am Samstag den 18. Mai 1680 vor denselben Personen. Morgens 8-10 Uhr.

Heute wurden er Malefikantin ihre gestrigen Bekenntnisse vorgehalten, damit sie dieselben freiwillig ratificire. Dabei zeigte sie sich aber ganz variabel, index sie theils revocirt, theils bekennt, sie sei eine Hex, dann wieder behauptet, sie habe müssen so sagen, da man ihr die Wahrheit nicht glaube. Weil mit ihr so nichts auszurichten war, wurde sie wieder ins Gefängniß abgeführt und dieser Akt geschlossen.

Sechstes Verhör und peinliches Examen am Mittwoch den 22. Mai 1680. Dieselben Personen. Morgens 6-10 Uhr.

Die Verhaftete wird in Güte erinnert, ihr in der Tortur gemachtes Bekenntniß zu bestätigen. Sie antwortet, so wenig dieses kleine Hölzle, das sie vom Boden nehme, den Leuten Schaden gethan, ebensowenig sei es von ihr geschehen; für diese Wahrheit wolle sie Leib und Leben hergeben und sich der Höllenpein aussetzen, wenn sie's gethan. Das in der Folter Bekannte sei ihr durch Schmerzen abgezwungen worden.

Weil sie also in Güte wieder nicht ratificirte, wo wurde sie den Scharfrichtern übergeben. Sie sollen sie zuerst entkleiden und untersuchen, ob sie keine Hexenzeichen am Leibe habe, ihr alsdann das geweihte Hemd anziehen und sie in die Folterkammer führen. Die Scharfrichter berichten, sie hätten bei ihr am heimichen Orte zwei gelblich und bläulich aussehende Tupfen von der Größe eines Kreuzers (also ein neues Indicium!) gefunden. Nun wurde sie auf den Folterstuhl gesetzt und gebunden, wobei sie zu Gott um Hilfe schrie, aber nicht bekannte und deshalb aufgezogen wurde. Nachdem sie eine Miserere lang gehangen, versprach sie zu bekennen. Heruntergelassen wiederholt sie den alten unflätigen Unsinn vom Teufel und als man noch mehr davon wissen wollte, bat sie den Scharfrichter, ihr zu sagen, was sie jetzt antworten müsse. Auf dieses hin wurde sie zum zweitenmale aufgezogen. Sie schrie erbärmlich, sie sei eine Hex, sie habe alles verhext, man soll sie wegschaffen, sie habe den Teufel bei sich, im Gefängniß, im Bett, überall, dann wieder: „Komm Jesus Maria, komm Teufel, holet micht.“

Hier klicken zum 6. Teil
Genealogische und heraldische Grüße - Ihr Webmaster
Ahnen-und-Wappen.de Wappensuche.de Heraldikshop.de




Wappensuche       Familienwappen-Stiftung        Genealogiebedarf/Heraldikshop       

Werbung © CodeDev