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Dienstag, 12. September 2006, 12:58

Die Baderann von Veringenstadt. Mittheilungen aus einem Hexenprozesse vom Jahre 1680. Teil 6

Nachdem sie ¼ Stunde gehangen und das Seil zweimal verrottlet war, wurde sie auf den Stuhl gelassen. Nach Labung mit Weihbrunnen und Essig, sollte sie weiter angeben, da sie aber mit den Einzelheiten der Satanswohllust nicht gründlich herauswollte, wurde sie zum drittenmale angeschlagen und aufgezogen. Altes Lamentiren und Versprechen, dreimaliges Seilschnellen, 1 ½ viertelstündiges Hängenlassen, nachheriges Bekenntniß, sie habe Gott und die Heiligen verläugnet, mit dem Teufel einen Bund eingegangen, sei mit ihm oft zu Hexentänzen ausgefahren, wo die Tänze stattgefunden, wer dabei gewesen ec., wurde sie zum viertenmal aufgezogen. Während des Hanges hörte man ein Tätschen und sie schrie, der Scharfrichter schlage sie, was aber nicht der Fall war. „Das muß wohl der Teufel gethan haben.“ Endlich wurde sie ganz obstinat und man hat befunden, daß der Tortur für heut genug sei, weßhalb sie nach ½ Viertelstunde herabgelassen wurde. Hernach erzählt sie mit stiller gebrochener Stimme von Gottesverläugnung, Teufelsbuhlschaft, Hexentänzen, Schadenmachen u. dgl. Als sie stockte, fragte sie den Meister Enderle, was weiter? Und begehrte eine Prise von ihm. Nun wurde hr das Hemd aus- und ihre Kleider angezogen, worauf sie ins Gefängniß verbracht und diese peinliche Frage beendet wurde.

Siebentes Verhör am Donnerstag den 23. Mai 1680, durch dieselben von Morgens 9 bis Mittags 12 Uhr.

Heute sagte die Inquisitin zum erstenmale auf gütlichen Zuspruch freiwillig, sie sei eine Hexe und bestätige alle in der Tortur gemachten Bekenntnisse; mehr wisse sie aber nicht. Auf weitere Fragen über nähere Umstände, Teufelsbeischlaf, Ausfahren, ihre Gespielen, verübte Schäden u. dgl. Bekannte sie – offenbar verwirrt und erschöpft – einen Unsinn nach dem andern, wie man ihr solche in den Fragen nahe legte, verwickelte sich aber dabei in viele Widersprüche. Darauf aufmerksam gemacht, seufzte sie gar stark und jammerte, sie wollte gern alles recht sagen, wenn sie es nur wüßte. Auf neue Fragen kommt zur Antwort, sie sei eben eine Hex und habe auch gethan, was andere Hexen thun, wisse es aber nicht recht. Mann soll sie wegthun, nicht lang im Gefängniß lassen, ihre künftige Woche, als in der Kreuzwoche, das Haupt nehmen, was sie lieber ausstehe, als in der Folter zu sterben. Über die vorliegenden Indicien befragt, bekannte sie einmal und läugnete nachher wieder so etwas gethan zu haben. Hierauf wurde sie unter Androhung weiterer peinlicher Frage ins Gefängniß abgeführt.

Weil es den Richtern schien, sie sei ganz in der Hexerei verhärtet und wolle nicht bekennen, so beschloßen sie, dieselbe morgen, so lange man die Scheidung Christi läute, mit Gewichten aufzuziehen, dann werde sie wohl bekennen müssen.

Achtes Verhör und peinliches Examen am Freitag den 24. Mai 1680, von 10-12 Uhr Vormittags.

Heute wurde die Malefikantin sogleich entkleidet und in das Hexenhemd gesteckt. Dann wurden ihr die gestrigen Widersprüche vorgehalten und ihr mit schärferer, peinlicher Frage gedrocht, wenn sie sich wieder so wandelbar, unwahrhaft, verstockt und halsstarrig erzeige und alle Indicien abläugne. Als hernach auf alle Fragen die alte Leirerei anging, wurde sie gleich zur Folter geführt und gebunden, wobei sie sehr über ihre verfehrten Hände gejammert und tiefel Athemzüge gethan hat. Auf Befehl zogen sie die Scharfrichter erst ohne Gewicht auf. Unter Schreien versicherte sie, sie möchte gerne bekennen, aber der Teufel verhindere sie. Heruntergelassen erfolgten die alten Angaben, doch stockte sie bald. Unterdessen war es 11 Uhr.

Man band ihr jetzt eine Block von 20 Pfd. Schwere an beide große Zehen, und wie man die Scheidung Christi läutete, zog man sie mit demselben ganz von der Erde auf. Sie l ieß einigemal verdächtig den Kopf schnappen, als winke sie jemanden. Als sie hierauf mit Weihwasser besprengt war, betete sie mit gebrochener Stimme das Vaterunser. Mit einemmal erhob sich aber ein großes Getümmel, wie man innen meinte auf der Laube, der außenstehende Stadtknecht glaubte aber, es wäre in der Folterkammer und eilte herein. Inzwischen war eine schwarze Maus aus einer Ecke blitzschnell dem Folterstuhl zugesprungen. Die Scharfrichter schlugen mit Stöcken, der Stadtknecht mit dem eben in der Hand haltenden Schlüsselbund tapfer auf die Maus los, konnten sie aber nicht treffen, indem sie zwischen Stöcken und Schlüsseln auf und niedersprang, als ob sie Flügel hätte. Der Burgermeister eilte mit Geweihtem herzu, und im Augenblicke verschwand die Maus und es wurde Stille. Die Schlüssel waren jdoch die meisten krumm oder zerbrochen. (Das war wohl der Teufel gewesen, der seine Freundin zu befreien suchte!).

Die Inquisitin war unterdeß in einen tiefen Schlaf verfallen, aus welchem man sie durch Schnellenlassen des Seiles erweckte. Herabgelassen zeigte sie sich ganz schwach, lag lange Zeit mit geschlossenen Augen da und holte tief Athem. Endlich erwacht, bat sie, man möchte sie doch nicht so elend machen. Nun wieder Fragen und Antworten, da aber manches nicht ganz im Sinne des Richters erfolgte und sie besonders nicht wußte, was sie alles vom Teufel empfangen und zu was sie es habe gebrauchen müssen, so wurde sie nochmal mit dem Block aufgezogen. Sie schrie zu Gott um Hilfe, betete, er wolle sie nicht verlassen, beklagte sich über angethanes Unrecht, versicherte, sie wisse nichts mehr ec. Nach einer Weile wurde sie ruhig, schloß die Augen und schlief ein, wobei sie schnarchte. Weil das der durch den höllischen Verführer verhängte Hexenschlaf war, so mußte sie nach Beräucherung mit Weihrauch und schwarzem Kümmel, durch angezündeten, unter die Nase gehaltenen Schwefel und starke Erschütterung des Seiles geweckt werden. Sie flerrte das Maul greulich, stieß einige Schreie aus, seufzte: „Gott hilf mir bald!“ und wurde dann wieder still.

Hernach gab ihr der Scharfrichter mit der Ruthe 5 Streiche auf den Rücken, die sie aber im Schlafe nicht empfang, weßhalb er sie an den Seiten packte und stark schüttelte. Jetzt öffenete sie die Augen und sagte, er stoße ihr das Herz ab, steche sie mit Nadeln, zwinge sie zu lügen, glaube ihr nicht. Dann wieder, sie sei eine Hex, hab alles Böse gethan, was Hexen thun, man solle sie doch nicht so sterben lassen, sie wolle alles sagen. Nachdem sie in dieser Folter über ½ Stunde gehangen, auch das Seil dreimal stark gerüttelt war man gesehen, daß für diesesmal der Tortur ein Genüge geschehen sei, wurde sie langsam auf den Stuhl zurückgelassen und des Blockes und der Bande entledigt. Nach kurzer Ruhe wieder zum Geständniß gemahnt, beantwortete sie einige unsinnige und schamlose Fragen ganz ad formam, bekennt auch vom Teufel Sachen empfangen zu haben, um damit Schaden anzurichten, will aber Namen und Anwendungsweise dieser Sachen nicht wissen. Weil sie endlich nicht mehr sprechen wollte oder konnte, wurde sie angekleidet und ins Gefängniß geführt.

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