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Dienstag, 12. September 2006, 15:01

Die Baderann von Veringenstadt. Mittheilungen aus einem Hexenprozesse vom Jahre 1680. Teil 8

1. Sie habe sich vor 35 Jahren dem bösen Feind mit Leib und Seel für eigen ergeben, Gott und alle Heilige verläugnet, und dem Teufel versprochen alles Böse zu thun, was er ihr befehle.

2. Sie habe sich von ihrem Buhlgeist, dem ledigen Satan, nach seinem Gefallen zu dem abscheulichen Laster der Unzucht gebrauchen lassen.

3. Sie habe von ihm Hexensalbe empfangen, mit welcher sie Menschen und Vieh beschädigt, sei mit ihm neben andern Hexen auf die nächtlichen Tänze gefahren, habe sich dabei vielfach belustigt, sei zur Beschaffung des Weins in verschiedene Keller gefahren und habe viel andere Abenteuer dabei verübt.

4. Sie habe mit Hilfe des Teufels einige Hagelwetter gemacht und die Feldfrüchte verderbt.

5. Sie habe vielen Personen, theils weil dieselben einen bösen Verdacht auf sie gehabt, theils sonst sich mit ihr entzweit hatten, Krankheiten angethan; so habe sie 2 Weiber durch Berühren krumm und lahm gemacht, 2 andern verhexte Sachen gegeben, einer Mannsperson durch Anhauchen große Krankheit und Schmerzen gemacht, und 2 Kinder so verzaubert, daß sie gestorben seien.

6. Sie habe durch Anhauchen, Schlagen und Berühren viel Vieh verhext und hingerichtet, und zwar einem Mann einen Schimmel, einem andern einen Rappen, wieder mehreren andern 8 Pferde, 2 Füllen, 3 Kälber und etliche Schweine, ihr selbst 11 Stück, ebenso habe sie einer Kuh die Milch genommen und sei auf manchem Stück Vieh auf die Hexentänze ausgefahren.

Die Freiwilligkeit dieser Bekenntnisse bestätigen die Zeugen durch ihre Namensunterschriften.

Nach Beendigung dieses Aktes wurde das Urtheil geschöpft und der Malefikantin der Tod angekündigt, welchen sie nach 3 Tagen, also am Pfingstsamstag den 8. Juni, zu gewärtigen habe. Alsdann führte man sie in eine besondere Stube des Rathhauses und ließ die Geistlichen rufen, welche sie zur Buße ermahnen und würdig vorbereiten sollten. Die Akten übergab man dem Fürsten Miximilian, welcher die zum Lebendigverbrennen Verurtheilte zum Schwerte begnadigte, wenn sie sich bis an ihr Ende recht bußfertig erzeige, der todte Körper solle jedoch ins Feuer geworfen und zu Pulver und Asche verbrannt werden.

Die Exekution wurde richtig am Samstag vor Pfingsten, den 8. Juni 1680, vollzogen.

Morgens 8 Uhr versammelte sich der Stabhalter, die 12 Richter und der Stadtschreiber – alle in schwarzen Mänteln – auf der offenen Laube des Rathhauses zu Veringenstadt, um öffentlich Gericht über die arme Sünderin zu halten. Der sigmaringische Rentmeister Franz Wilhelm Schneider brachte als herrschaftlicher Fiskal und Anwalt die Anklage vor und das Gericht hatte seinen Fortgang nach K. Karls Malefiz-Gerichtsordnung. Nach Anerkennung des Rechtes hat man der Malefikantin nochmal ihre Urgicht, dann das Endurtel und endlich die Begnadigung zum Schwert vorgelesen, hierauf den gebrochenen Gerichtsstab vor ihre Füße geworfen und sie hernach unter Läutung der großen Glocke und in Begleitung der Geistlichen, des Gerichts, der Wächter, Schützen und einer großen Volksmenge zur gewöhnlichen Gerichtsstätte ausgeführt. Daselbst wurde sie auf ein aufgemachtes Gerüste gebracht, mit verbundenen Augen auf einen Stuhl gesetzt und unter lauter Abbetung des Vaterunsers bei der Bitte: „Erlöse uns vom Uebel,“ durch den Scharfrichter Enderle enthauptet. Den Leichnam legte man auf den Scheiterhaufen, wo er zu Asche verbrannte, dabei ist aber memorabel, daß nach Anzündung des Holzstoßes eine abscheulich dicke Kröte aus dem Haufen heraus und bald wieder hineingekrochen ist, auch einige große Raben mehrmal ganz nahe auf die Flamme hin und alsdann unter Schreien davongeflogen sind, was Jakob Heberle, Johann Eggstein und viele andere gesehen haben.

Damit will ich nun meine Mittheilungen aus dem Hexenprozeß der Baderann von Veringenstadt abschließen. Wenn ich durch Entrollung eines zwar wahren aber äußerst finstern und traurigen Bidles meine geehrten Herren Zuhörer in eine trübe, düstere Stimmung versetzt, oder durch Vorführung dieser jammervollen Inquisitions- und Foltergeschichte sie vielleicht selbst gar zu lange auf die Folter gespannt haben sollte, so bitte ich um gütige Entschuldigung, zugleich aber auch um schonende Beurtheilung meiner Darstellungsweise.

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